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Geschichten, die das Sehleben schreibt ...

Tag der Entscheidung ...

 

 

 

 

 

Gewidmet allen, die schon einmal nach ihrer Brille gesucht haben.

 

 

 

 

 

 

 

Da ist er also, jener Moment, an dem Du noch genau 15 Minuten bis zum nächsten Termin hast. Dein Auto ist geparkt, ein Sprung in Deinen Lieblingsshop am Weg dorthin geht sich aus. Und da hängt es an der Stange, genau DAS Teil, das Du schon ewig gesuchst hast. Du bittest eine Verkäuferin um Deine Größe und ziehst Dich in eine Umkleidekabine zurück. Es sitzt wie angegossen. Das Material, ein Traum! Die Kaufentscheidung ist beinahe getroffen.

 

 

Zwei Dinge willst Du noch wissen.

     Wie ist es zu pflegen, waschen – bei welcher Temperatur? – wäre schon ganz gut.

     Und  - auch nicht ganz unwesentlich - was kostet DAS Teil?

 

 

Du stehst also in der Umkleidekabine und suchst nach dem Schild mit den Pflegehinweisen. Da ist es. Viele Zeichen, die alles heißen könnten, und ein paar Zahlen, die Du - oh mein Gott, schon wieder -  nicht erkennen kannst. Die Beleuchtung in der Umkleidekabine ist eher düster, jeder Versuch dieses Schild in ein besseres Licht zu rücken, um das Kleingedruckte auf dem Schild entziffern zu können, scheitert. Ok, also doch her mit der Brille aus der einmal mehr mehr als überfüllten Handtasche. Du kramst in Deiner Handtasche, wühlst bis ins letzte Eck, keine Spur Deiner Brille. Die Zeit beginnt zu drängen, Dein Termin naht.

 

 

Kurzerhand entscheidest Du – Pflegehinweise hin oder her - schnell noch den Preis anzusehen, und wenn der passt, dann soll DAS Teil deines sein. Wo ist also das Preisschild? Es versteckt sich hinter anderen Markentäfelchen und Gütesiegeln, aber Du wirst fündig. Der nächste Rückschlag. Das Euro-Zeichen kannst Du gerade noch erahnen, aber die Zahl daneben? Ist sie zweistellig, ist sie dreistellig? Je mehr Du Dich anstrengst, desto mehr beginnt die Zahl zu verschwimmen und Deine Augen zu tränen.

 

 

Du könntest ja ganz unkompliziert einen Verkäufer oder eine Verkäuferin ansprechen, aber Dein Blick durch den Vorhang der Umkleidekabine sagt Dir, hier ist niemand, den Du auf die Schnelle fragen könntest.

 

Das wäre doch gelacht, schießt es Dir durch den Kopf. Die Brille muss doch irgendwo sein! Du beginnst also nochmals in der Handtasche zu kramen. Räumst, obwohl die Zeit immer knapper und knapper wird, ein Ding nach dem anderen heraus. Wo ist sie denn bloß? Sie kann sich doch nicht in Luft aufgelöst haben.

 

 

Dann schießt es Dir ein. Du hast sie nach Deinem letzten Telefonat auf dem Weg hierher beim Abhaken Deiner To-Do-Liste im Auto liegen gelassen.

 

 

Super! Immerhin weißt Du jetzt, wo sie ist. Wirklich helfen tut Dir das nicht.

Du ziehst Dich also wieder um, springst in Dein Gewand, nimmst DAS Teil und irrst zwischen den Regalen umher, um endlich jene Auskunftsperson zu finden, die Deine immer noch offenen Fragen beantworten kann.

 

 

Sind jetzt alle auf Mittagspause? So spät war es also schon, fast zu spät, um pünktlich zu Deinem nächsten Termin zu kommen.

Und gefühlt alle Menschen sind auf Mittagspause. Die VerkäuferInnen ebenso, wie jene Menschen, die jetzt in einer langen Schlange vor der Kassa anstehen.

 

 

Ok. Planänderung. Das geht sich jetzt nicht mehr aus. Du  beschließt schnell an der Kassa zu fragen, ob Du DAS Teil zurücklegen lassen kannst und würdest nach Deinem Termin wiederkommen.

 

 

Gerne, sagt die Dame an der Kassa und überreicht Dir, ob der langen Schlange an Wartenden, ein kleines Formular, das dann entsprechend an den Haken zu hängen gewesen wäre, und einen Kugelschreiber:

 

Hier, bitte füllen Sie das aus, ich hänge es dann zu mir und hier wartet es dann auf Sie.

 

Ausfüllen? Was? Ohne Brille? Ein Unding. Jetzt gibst Du auf. Und außerdem wartet längst Dein Termin.

 

 

 

Das ist die Geschichte von Susanne. An diesem Tag fiel ihre Entscheidung nicht für DAS Teil.

Sie traf eine ganz andere Entscheidung an diesem Tag. Nie mehr abhängig sein von ihrer Brille.

Ein großes Ziel, das ihr Sehen, ihr Leben, ihr Sehleben von jetzt an verändern sollte.

 

Ich kenne Susannes Gefühle, und genau diesen Moment, an dem Susanne ihre Entscheidung getroffen hat. Bei mir ist er nur schon einige Jahre und ein gutes Stück meines Weges her, dieser Moment. Und so kamen wir in Kontakt.

 

#klarsehen #happyeyes statt #brille also.        

 

 

 

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